Wiedergutmachung
Dieses Thema ist so grundlegend, dass ich mich in Zukunft immer wieder auf diesen Artikel beziehen werde.
Jeder Mensch hat mehr oder weniger ein Gewissen. Bei vielen Menschen verstecken sich dort massenweise unerledigte Dinge. Es ist, wie man sagt, ein unruhiges Kissen, das dem einen oder anderen sogar den Schlaf rauben kann.
Doch all diese vernachlässigten Verpflichtungen, Lügen, Sachschäden, Diebstähle, unabsichtlichen Taten, Gemeinheiten und alles, was man sonst noch anderen angetan hat, kann man wieder loswerden. Die Antwort heißt Wiedergutmachung.
Wie funktioniert Wiedergutmachung?
In den meisten Fällen ist es ganz einfach. Der erste Schritt ist, die Sache offenzulegen. Egal, was ihr getan habt und wie unabsichtlich oder absichtlich es war, erzählt der Person, die es betrifft, was passiert ist.
Zweiter Schritt: herausfinden, wie man es wiedergutmachen kann. Vielleicht hat man selbst eine Idee, was man machen kann, um die Sache in Ordnung zu bringen. Vielleicht hat die Person, die es betrifft, eine Idee, was ihr machen könnt, um es in Ordnung zu bringen. Wichtig sind dabei zwei Dinge: Ihr macht nur etwas, mit dem ihr auch ok seid, dies zu tun und es muss einem das Gefühl geben, dass man damit seine Schuld begleichen kann.
Damit ist gemeint, dass ihr euch nicht ausnutzen lasst und auch nichts Kriminelles für die Person tut. Am Ende wollt ihr ein gutes Gefühl, das Richtige getan zu haben. In jedem Fall sollt ihr euch auf etwas Positives, das Verbesserung bringt, einigen.
Es gibt Dinge, die einfach zu lösen sind. Etwas Geklautes kann man zurückgeben, Finanzielles kann man zurückbezahlen, für Beleidigungen und Ausrasten kann man sich entschuldigen, zerbrochene oder zerstörte Dinge ersetzen. In jedem Fall sollte sowas mit einer dicken, fetten Entschuldigung begleitet werden und vielleicht einer kleineren oder größeren Aufmerksamkeit, wie Blumen, Schokolade, Tickets, Ausgehen, Kino, oder was auch immer das Herz des Anderen erfreut. Natürlich, mit der richtigen Größenordnung, weil man versehentlich etwas Gemeines gesagt hat, braucht man der Person keinen Wolkenkratzer zu kaufen.
Es gibt einige Menschen, die denken, sie müssten irgendwie genau den Schaden beheben und versuchen, eine für sie unmögliche Sache in Ordnung zu bringen. Oft geht dies nicht und ihnen fällt nichts ein. Die Lösung macht etwas anderes für diese Person. Wenn ein Kind etwas Teures zerbrochen hat, kann es dies nicht zurückbezahlen, aber es kann beim Haushalt helfen. Wenn man jemanden körperlich verletzt hat, kann man ihn vielleicht nicht heilen, aber man kann für ihn Erledigungen machen oder bei anderen Dingen helfen.
Man kann alles wiedergutmachen! Es kommt dabei nur auf die Größenordnung und die Kreativität an.
Der größte Einwand, der immer kommt, ist, dass man viele Dinge nicht wiedergutmachen kann, weil die Person, um die es geht, weg ist! Egal, ob man den Kontakt verloren hat, jemand weggezogen ist oder die Person sogar gestorben ist, man kann die Sache dennoch wieder in Ordnung bringen.
In so einem Fall tut etwas anderes für andere Menschen. Was man macht, ist jedem selbst überlassen. Aber wenn man eine Schuld trägt, von der man das Gefühl hat, man kann es nicht wiedergutmachen, sind Dinge wie ehrenamtliche Arbeit, Hilfsprojekte, soziale Stunden und ähnliche Aktionen eine gute Möglichkeit, die Last zu verringern oder sogar ganz loszuwerden. Ihr müsst nur ehrlich mit euch selbst sein und darauf achten, dass das, was ihr tut, anderen auch wirklich hilft, also einen Mehrwert bietet.
Egal welche Dinge ihr in Ordnung bringt, das, was ihr am Ende erreichen müsst, ist, dass ihr euch über die Sache wieder wohlfühlt, die ihr falsch gemacht habt. Es ist dabei nicht wichtig, ob die Person, die es betrifft, es genauso sieht oder sie mehr will. Es geht um euch, lasst euch wie gesagt nicht ausnutzen! Ihr müsst wegen einer Schuld nicht zum Sklaven einer anderen Person werden. Es gibt Personen, für die ist es nicht wiedergutzumachen, was ihr getan habt. Das ist nun mal so und daran könnt ihr nichts ändern. Macht trotzdem nur so lange, bis es für euch gut ist!!!
Solltet ihr selber das Gefühl haben, dass es noch nicht reicht, dann macht weiter und tut mehr und/oder überprüft, ob es vielleicht nicht das Richtige ist und ihr vielleicht etwas anderes finden solltet als Wiedergutmachung.
Wenn du denkst, das war genug, ich fühle mich wohl dabei und du musst nicht mehr die ganze Zeit darüber nachdenken, was du falsch gemacht hast, dann hast du den Punkt erreicht. Du kannst jetzt gerne die nächste Sache, die dein Gewissen plagt, angehen.
Ich kann euch nur sagen: Wer am Ende ein gutes Gewissen hat, wird ein viel schöneres und besseres Leben führen, als jemals zuvor. Es lohnt sich.
Ganz wichtig ist auch, dass ihr andere zur Wiedergutmachung anregt und die Bemühungen anderer unterstützt, die Wiedergutmachung leisten wollen. Macht es ihnen leicht und besteht darauf, dass sie sich über das Geschehene am Ende gut fühlen müssen. Es kann jeder nur für sich selbst bestimmen, ob die Schuld wiedergutgemacht ist oder nicht.
Bringt es auch Kindern bei, es wird sie sehr wahrscheinlich zu guten Menschen machen.
Stellt euch jetzt mal eine Welt vor, in der jeder so vorgehen würde wie hier beschrieben.
Der Oktalbär hat euch lieb.